Welche Vergütung darf es sein?

Das „Cafeteria-System“: New Work Beraterin Beatrix Mitterweissacher darüber, warum es nicht immer nur um Geld geht, wenn man von Vergütung spricht.

Seit Jahren gibt es auch bei den Personalmaßnahmen in Unternehmen einen Trend zur Individualisierung. Die Entlohnung spielt dabei eine große Rolle. Dass diese aber nicht allein durch Geld erfolgt, zeigt das sogenannte „Cafeteria System“. Hier handelt es sich um ein bei Belegschaften mittlerweile sehr beliebtes Vergütungsmodell, das flexibel auf die Interessen und Bedürfnisse der MitarbeiterInnen eingeht. Es orientiert sich nicht ausschließlich am Gehalt, sondern erlaubt den Teammitgliedern – ähnlich wie bei einem Menü im Kaffeehaus – sich einen Teil der Vergütung selbst zusammenzustellen. Zumeist gibt es diese Möglichkeit einmal pro Jahr. New Work Beraterin Beatrix Mitterweissacher dazu: „Bei den möglichen Leistungsangeboten eines Cafeteria Systems kann man als Arbeitgeber sehr kreativ sein. Wichtig ist aber, dass man die Bedürfnisse und Wünsche der MitarbeiterInnen kennt und sich auf diese einlässt.“

Vom Rechtsanwalt bis zum „Sabbatical“

Für junge MitarbeiterInnen, die beispielsweise gerade ein Haus bauen oder sich eine Wohnung kaufen, könne eine kostenlose Finanzierungsberatung oder eine Beratung bei einem Rechtsanwalt interessant sein, so Mitterweissacher. „Diese Beratungsleistungen sind für junge Menschen kostspielig. Werden sie vom Arbeitgeber übernommen, erhöht das die Attraktivität der Arbeitgebermarke und führt in Folge zu mehr Bewerbungen.“
Ein anderes Beispiel sind Zusatzurlaube. Die Möglichkeit zu einem „Sabbatical“ wird besonders bei den jungen MitarbeiterInnen immer beliebter (Das Sabbatical ist eine „berufliche Auszeit“, in der man weiter Bezüge erhält. Für die Ansparung wird eine Rahmenzeit vereinbart, während die Mitarbeiterin/der Mitarbeiter nur einen Teil des üblichen Monatsbezugs erhält. Zum Beispiel: Während einer fünfjährigen Rahmenzeit werden 80 Prozent des Monatsbezugs ausbezahlt, dafür kann ein Jahr Auszeit genommen werden). Viele junge Leute träumen davon, sich für mehrere Monate freistellen zu lassen, um beispielsweise eine längere Reise nach Südamerika zu machen. Den Arbeitgeber möchten sie dafür eigentlich nicht verlassen, oft aber ist Kündigung die einzige Möglichkeit. „Auch damit hat ein Arbeitgeber eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich im Rennen um die besten Talente abzuheben und damit seine Arbeitgeberattraktivität und das Image des Unternehmens zu stärken. In jedem Fall ist es besser, auf einen Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin für einige Monate zu verzichten, als ihn/sie ganz zu verlieren.“

Wunschmenü wie im Kaffeehaus

Ob Unterstützungen bei Kinderbetreuungskosten, Weiter­bildungen, Zusatzversicherungen im Bereich Rechtsschutz und Pflege oder aber die Zurverfügungstellung von Einkaufsgutscheinen, Rädern oder Mitgliedschaften in Fitnessstudios … der Kreativität sind beim Cafeteria-System kaum Grenzen gesetzt. Wichtig ist es aber immer zu wissen, was die Wünsche und Bedürfnisse der MitarbeiterInnen sind. Wenn der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin einmal pro Jahr die Möglichkeit hat, sich ein Vergütungssystem zusammen zu stellen, kann er/sie dieses individuell an seine persönliche Lebenssituation anpassen. Vor dem administrativen Aufwand bei der Einführung eines Cafeteria Systems solle man sich keinesfalls abschrecken lassen – man könne ja auch in kleinen Schritten anfangen, erklärt Mitterweissacher.

Empathie ist gefragt

Auch beim Cafeteria System­ gilt: Führungskräfte­ und ­Per­­sonalverantwortliche müssen sich mit dem Mit­ar­beiter/der Mitarbeiterin auseinandersetzen. Sie müssen Interesse zeigen, aktiv zuhören und auf die MitarbeiterInnen eingehen können. Empathie und aufrichtiges Interesse am Mitarbeiter sind hier enorm wichtig.
In jedem Unternehmen gibt es Rohdiamanten, die ganz besonders wesentlich sind für den Erfolg. Sie zu finden, ihr Potenzial zu erkennen und sich um sie zu kümmern, ist das Gebot der Stunde, weiß die New Work Expertin. „Nur so wird man sich im Wettbewerb um die besten MitarbeiterInnen behaupten können. Das Cafeteria System kann hier in jedem Fall unterstützen.“

Doris Martinz

 

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