
Hannes Klausner über Veränderungen, neue Herausforderungen und Chancen.
Das Unternehmen Impetus in Kitzbühel agiert als Personalberater. Das heißt: Geschäftsführender Inhaber Hannes Klausner, seine Frau Elisabeth und ihr Team bringen die richtigen Menschen zusammen. Sie suchen für Unternehmen passende Mitarbeiter und helfen Arbeitssuchenden dabei, ein Unternehmen zu finden, in dem sie ihre Fähigkeiten voll entfalten können. Man möchte meinen, in Zeiten wie diesen sei das ein schwieriges Unterfangen. Die Corona-Pandemie macht es vielen Betrieben schwer, da werden wohl kaum viele neue Mitarbeiter eingestellt? Das Gegenteil ist der Fall: „Wir haben gerade im letzten Jahr viele neue Kunden bekommen, das kann man durchaus als positives Signal der Wirtschaft sehen.“ Ausgenommen ist der Tourismus, hier ist die Situation derzeit schwierig, räumt Klausner ein.
Positiv für den Arbeitsmarkt wirkt sich aktuell jedoch die Tatsache aus, dass St. Johann und die Region neben dem Tourismus über eine gesunde Struktur bei Handel, Gewerbe und Industrie verfügt. Über einen Mangel an Aufträgen können die Handwerker in der Region nicht klagen, diese Erfahrung macht auch Klausner täglich. Denn Fachkräfte sind nach wie vor gesucht. Sie zu finden, ist nicht immer einfach.
Spezielles Angebot für Handwerksbetriebe
Speziell für Handwerksbetriebe betreibt Impetus deshalb eine eigene Homepage unter www.einfachmachen.tirol.
Als Resultat eines Projekts, das eine Gruppe von Studenten der Fachhochschule in Kufstein entwickelte, bringt Impetus auf dieser Homepage Handwerker und Handwerkerbetriebe auf einfache und digitale Weise zusammen. Das Ergebnis einer Umfrage zeigte nämlich, was das Impetus-Team vielfach selbst erlebt hat: Im Bereich Handwerk legen weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer Wert auf klassische Bewerbungsunterlagen samt Lebenslauf und Co. Was zählt, ist die handwerkliche Kompetenz. Impetus hat den Recruiting-Prozess deshalb auf das Wesentliche reduziert: Über verschiedenste Kanäle werden potentielle Bewerber angesprochen, die über Vermittlung durch Impetus ganz unkompliziert direkt beim Arbeitgeber anrufen und einen Termin für ein Gespräch (gegebenenfalls samt Probearbeit) vereinbaren. „Die Rückmeldungen sind hier sehr positiv“, bestätigt Klausner.
Dinge ändern sich immer schneller
Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten massiv verändert, und auch die Anforderungen und Aufgaben der Mitarbeiter in Unternehmen ändern sich immer schneller. Das macht es für Firmen oft schwieriger, Stellenausschreibungen richtig zu formulieren und zu kommunizieren, welche Aufgaben der gesuchte Mitarbeiter tatsächlich zu erfüllen hat. „Da gibt es mitunter Stellenbeschreibungen, die schon einige Jahr alt sind und eigentlich gar nicht mehr zur Stelle passen“, berichtet Klausner aus seiner Erfahrung.
Drei Schlüsselfragen helfen dem Unternehmer/der Unternehmerin dabei, eine Stellenausschreibung richtig zu formulieren:
1) Welche Aufgaben fallen an?
2) Welche Aufgaben und Bereiche können zusammengefasst werden?
3) Welche Qualifikationen soll der Mitarbeiter mitbringen?
„Das sind die Dinge, die man bei jeder Suche neu überdenken muss“, so Klausner. Eine Stellenausschreibung für die nächsten zehn Jahre zu verwenden, weil das Vorbereiten viel Arbeit war, bringe kaum den gewünschten Erfolg. Noch ein Tipp zur Formulierung des Stelleninserats: „Meist funktioniert es gut, wenn der Arbeitgeber über die zu vergebende Stelle erzählt. Aus den Fakten, die sich daraus ergeben, lässt sich oft ein griffiger Inserattext erstellen.“
Personalsuche als Marketingaufgabe
Welche Ansprüche stellen MitarbeiterInnen heute an den Arbeitgeber? „Man merkt schon, dass sich das verändert, dass Bewerber in manchen Branchen feststellen, dass sie in einer gewissen Machtposition sind, weil es zu wenig Fachkräfte gibt“, so Klausner. Diese gefragten Fachkräfte sind es auch, die mehr Wert auf die Soft Facts eines Unternehmens legen als auf die Hard Facts. Ihr Kriterium ist nicht unbedingt das Gehalt, sondern dass das Arbeitsumfeld passt und die Arbeit, die sie erledigen, für sie Sinn erfüllend ist. Für die einen sei das ein Buchhaltungsjob, für die anderen eine Stelle im Verkauf oder am Bau. Menschen wollen sich einbringen können, gestalten, ein Ergebnis sehen. „Wenn das passt, wird der Arbeitnehmer nicht wechseln, auch wenn er woanders ein paar Euro mehr bekommt.“
Deshalb sollten sich UnternehmerInnen die Frage stellen: Was kann potentielle MitarbeiterInnen dazu bewegen, bei mir zu arbeiten und nicht woanders? Das ist im Prinzip eine ganz klassische Marketingfrage, die bisher meist anders lautete, und zwar: Warum sollen Kunden mein Produkt kaufen und nicht jenes meiner Marktbegleiter?
„Über den Erfolg eines Unternehmens wird in Zukunft nicht mehr am Kundenmarkt entschieden, sondern am Arbeitsmarkt“, so Klausner und ergänzt: „Wenn ein Unternehmer es schafft, die richtigen Leute zu finden, die ihn weiterbringen, wird er bestehen. Sonst nicht.“
Employer Branding
Diese Tatsache wirkt sich natürlich erheblich auf das Marketing eines Betriebs aus. „Employer Branding“ heißt das neue „Zauberwort“. Es bedeutet, dass das Unternehmen am Arbeitsmarkt als Marke auftreten, die mit Inhalten gefüllt sind. Dazu gehören die Art und Weise des Umgangs mit den Teammitgliedern, Job-Abläufe, Unternehmenskultur, Benefits und vieles mehr. „Einer unserer Kunden aus der Hotellerie betreibt eine Homepage für seine Gäste und darüber hinaus eine weitere ausschließlich für potentiell interessierte Mitarbeiter. Sie finden hier alle Facts, die das Arbeiten in jenem Hotel attraktiv machen“, schildert Klausner. Ob eine solche Vorgehensweise in Frage kommt, hänge von der Betriebsgröße und anderen Faktoren ab. Für das betreffende Hotel jedoch ist sie richtig: „Die Betreiber des Hotels haben nie Personalprobleme.“
Recruiting, also die Suche nach Mitarbeitern, ist heute immer auch ein Marketingakt – der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin muss sich richtig „verkaufen“. Gelingt das, erzielt man Nachfrage und kann aus einem Pool von Menschen, die im Unternehmen arbeiten wollen, auswählen.
Fünf Fragen für die Personalsuche
Aus seiner Erfahrung aus hunderten Recruitingprojekten hat Hannes Klausner fünf Schritte formuliert, die Recruiting nachhaltig gelingen lassen. Es geht dabei darum, wie sich ein Unternehmen organisieren kann, um nicht immer unvorbereitet „schnell, schnell“ eine Position besetzen zu müssen. Eigentlich sind es Fragen, die man sich stellen und beantworten sollte, und zwar diese – und in dieser Reihenfolge:
Wer bin ich?
Oder: Was macht mein Unternehmen aus, wie ist meine Unternehmenskultur?
Wie werde ich wahrgenommen?
Oder: Wie mache ich mein Unternehmen für Arbeitnehmer interessant?
Wie erreiche ich meine Zielgruppe?
Wie treffe ich die Auswahl?
Wie gestalte ich das „Onboarding“, wie gliedere ich neue Teammitglieder in den Betrieb ein?
Wenn diese Fragen beantwortet sind, ist es meist kein Problem, Mitarbeiter zu finden.
Die nächsten Fragen werden wir uns in den folgenden Ausgaben näher ansehen.
Doris Martinz