Eine Lücke im Lebenslauf ist nicht unbedingt von Nachteil – wenn man richtig damit umgeht. Tipps dazu von Andrea Swoboda:

In den letzten Ausgaben der St. Johanner Zeitung haben wir uns mit allgemeinen Richtlinien für eine Bewerbung sowie dem Verfassen eines Motivationsschreibens befasst. Letzteres ist ja die „Kür“ bei der Bewerbung, der Lebenslauf die „Pflicht“. Was aber tun, wenn der Lebenslauf Lücken aufweist – weil man arbeitslos war, eine Kinderpause eingelegt oder eine Weltreise unternommen hat? „Generell darf ein Lebenslauf Ecken und Kanten haben und muss nicht immer linear verlaufen“, weiß Andrea Swoboda, Personalberaterin bei Impetus, Kitzbühel. Als Mitarbeiterin in den Personalabteilungen großer Firmen hat sie unzählige Lebensläufe gelesen. Sie weiß, was sich darin gut macht, und was Unternehmen lieber nicht lesen wollen. „Wichtig ist, wie man mit den Lücken umgeht,“ so ihr Tipp. Man müsse vor allem offen und ehrlich kommunizieren. Man darf zum Beispiel angeben, dass man aufgrund der Corona-Krise arbeitslos geworden ist – das ist für alle nachvollziehbar. „Die Sensibilität für eine Lücke steigt jetzt mit Corona, man hat Verständnis.“ Ein No-Go: Irgendwas zusammenreimen, um besser dazustehen, das finden Personaler schnell heraus. „So ein Konstrukt fällt schnell zusammen, und dann ist man raus.“

Argumentationen zurechtlegen

Man dürfe durchaus auch selbstbewusst mit Lücken umgehen, so Swoboda. Von einer Lücke spricht man übrigens, wenn man mehr als zwei Monate lang nicht beschäftigt ist oder war. Dann ist es wichtig, anzugeben, was man in der Zeit getan hat. Hat man ein „Sabatical“ genommen, sich entschieden zu kündigen, um sich neu zu orientieren? Hat man dafür Workshops besucht, Ausbildungen absolviert, in Persönlichkeitsentwicklung investiert oder Sprachen gelernt? Das alles ist für den möglichen neuen Arbeitgeber interessant. „Ich hatte schon einen Kandidaten, der sagte, er habe die Zeit genützt, um Bücher zu lesen, die er schon lange auf seiner Liste hatte – es hat funktioniert“, erzählt Andrea Swoboda. Weil es Klassiker waren, für die man Zeit braucht. Für den Personaler bedeutet das: Der Bewerber hat Durchhaltevermögen, er weiß seine Zeit zu nützen. Er kann mit schwierigen Situationen zurechtkommen und sich motivieren, neue Wege gehen, Positives finden. Wichtig bei Lücken: sich auf Fragen vorbereiten, Argumentationen zurechtlegen. Wenn man sich einfach neu orientieren wollte, weil man feststellte, dass zum Beispiel ein Buchhaltungsjob doch nicht passt, dann kann man das ehrlich sagen. Auch eine Weltreise kann als positiv gewertet werden, weil man Erfahrungen gemacht hat, die im Unternehmen nützlich sein können.

Elternzeit positiv sehen

Und was, wenn man „nur“ bei den Kindern daheim war? „Frauen, die jahrelang daheim waren, sollten keinesfalls sagen, dass sie nur Hausfrau waren. Das schmälert ihre Leistung. Mütter ziehen Kinder groß, sie führen den Haushalt, organisieren die Familie, sind dabei oft auch Psychologe und Mediator. Sie trainieren damit Eigenschaften, die im Betrieb nützlich sein können.“ Stu­dien belegten, dass ArbeitnehmerInnen mit Kindern produktiver seien, fokussierter, dass sie ihre Zeit besser nützten, so Swoboda. „Man muss sich nicht verstecken vor der Elternzeit!“

Wer sagt, er habe die Zeit mit den Kindern daheim genossen, aber jetzt falle ihm/ihr die Decke auf den Kopf, der punkte mit Ehrlichkeit. Auf die kommt es nämlich an: „Personaler kriegen relativ schnell heraus, ob jemand lügt oder nicht. Nach zehn Minuten fällt ein Konstrukt zusammen, die Situation ist dann für beide sehr unangenehm.“ Also: Immer ehrlich bleiben, selbstbewusst. Lücken benennen, wie sie waren und kommunizieren, was man gelernt hat. Dann ist die Lücke OK.

Doris Martinz

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