
Personalleiterin Mag. Katharina Ullmann über Spannungsfelder, Herausforderungen und Chancen.
Mit zirka 270 Beschäftigten zählt der Pharma-Hersteller Gebro in Fieberbrunn zu den größten Arbeitgebern im Bezirk – und kämpft wie andere Unternehmen in der Region auch mit dem Fachkräftemangel. Obwohl es Personalleiterin Mag. Katharina Ullmann lieber als allgemeinen Mitarbeitermangel am Arbeitsmarkt bezeichnet. Denn es fehlt beispielsweise auch an Lehrlingen in den beiden Hauptbereichen Chemielabortechnik und Pharmatechnologie, ebenso in den handwerklichen Berufen, die im Betrieb gebraucht werden. Eine Situation, die man bei Gebro in dieser Form noch nicht lange kennt. Bis vor wenigen Jahren musste sich das familiengeführte Unternehmen kaum Gedanken darüber machen, geeignete MitarbeiterInnen zu finden. „Das änderte sich aber bereits vor Corona, die Pandemie wirkte dann noch als Beschleuniger“, erklärt Ullmann. Die bald 53-Jährige ist seit 20 Jahren bei Gebro beschäftigt, zuerst im Controlling. „Doch dann habe ich schnell gemerkt, dass mir die Menschen doch lieber sind als die Zahlen“, erinnert sich Ullmann lächelnd. Sie wechselte vor 13 Jahren in die Personalleitung. Es sei noch immer ein schöner Beruf, sagt die Wahl-„Nuaracherin“, die ursprünglich aus Götzens stammt. Aber er bringe derzeit auch viele Herausforderungen mit sich.
Seit einem Jahr läuft im Unternehmen ein Prozess, um die Arbeitgebermarke Gebro zu definieren – „Employer Branding“ nennt sich das in „Neudeutsch“. Wichtig war den Verantwortlichen dabei, den Prozess partizipativ zu gestalten – und damit die MitarbeiterInnen einzubinden. „Denn die wissen es am besten.“ In verschiedenen Gruppen haben sie die IST-Situation des Unternehmens analysiert und Antworten gesucht zu Fragen wie: Wie sehe ich die Gebro, wo steht die Gebro, wo gibt es ausbaufähige Bereiche?
„Das Ergebnis zeigt, dass die Zufriedenheit in den einzelnen Bereichen sehr groß ist“, erläutert Ullmann. Handlungsbedarf gebe es in der Kommunikation zwischen den Abteilungen, daran werde man nun arbeiten. In den letzten Jahren war die Digitalisierung (auch Homeoffice) bei Gebro ein wichtiges Thema, nun soll auch das Thema „New Work“ einen großen Stellenwert bekommen mit dem Ziel, das Unternehmen für MitarbeiterInnen noch attraktiver zu machen.
Hohes Bedürfnis nach Freizeit
Als Ergebnis des partizipativen Prozesses werden die Teams in den Büros und im Labor in Zukunft die Möglichkeit haben, sich selbst jedes Monat zwei kurze Arbeitswochen mit nur vier Arbeitstagen einzurichten und die fehlenden Stunden an den beiden anderen Wochen einzuarbeiten. Das ändert nichts an der Gesamtarbeitszeit, bringt aber mehr Freizeit. Ein wichtiger Punkt, so Ullmann. Sie führt jedes Einstellungsgespräch persönlich und weiß, dass sich die Bedürfnisse und Ansprüche der BewerberInnen in den letzten Jahren geändert haben: „Es geht ihnen nicht nur ums Geld. Viele, vor allem junge Leute, wollen einfach auch viel Freizeit haben und am liebsten nicht mehr in Vollzeit arbeiten. Die neue Regelung kommt ihnen sehr entgegen.“ Von den Teams geschätzt wird bei Gebro auch die Tatsache, dass es weder eine Nacht- noch eine Wochenend-Schicht gibt. „Die Unternehmensleitung hat sich ganz bewusst dagegen entschieden. Auch im Sinne der MitarbeiterInnen.“
Den allgemeinen Mangel an MitarbeiterInnen sieht Ullmann auch in der Tatsache begründet, dass die Verweildauer am Arbeitsmarkt heute viel kürzer ist als noch vor zwanzig Jahren. Das liegt an der langen Ausbildung, die viele junge Leute durchlaufen. „Sehr viele machen Matura, dann kommt das Studium. In dieser Zeit stehen sie am Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung – und fehlen in den Betrieben“, so Ullmann. Die Matura sei längst kein Qualitätskriterium mehr.
Ein „voll integriertes Unternehmen“
Wie andere Unternehmen in der Region auch, stellt Gebro Überlegungen an, die Automatisierung vehement voranzutreiben – und damit sich damit in speziellen Bereichen unabhängig vom Arbeitsmarkt zu machen. In Abteilungen, in denen die Teams über hohes Fachwissen verfügen müssen, sei die Situation freilich eine andere. Hier könne man auf Engagement und persönlichen Einsatz zählen – wenn auch nicht mehr unbedingt auf eine jahrzehntelange Firmenzugehörigkeit. „Das ist für junge ArbeitnehmerInnen heute kein Ziel mehr.“
Obwohl die Gebro mit einem großen, börsennotierten Konzern in geringer geografischer Entfernung einen starken Mitbewerber hat, wenn es um MitarbeiterInnen geht, punktet das Fieberbrunner Unternehmen in wichtigen Bereichen: Bei der Gebro herrscht ein familiäreres Umfeld, und sie ist ein „voll integriertes Pharmaunternehmen“, von denen es nicht mehr viele gibt – mit dem aktuell modernsten Labor in ganz Österreich, mit einer Abteilung für Forschung und Entwicklung, einem Bereich für Zulassung und Registrierung, einer leistungsstarken Produktion, Marketing und Vertrieb, sowie Lager und Logistik. „Für MitarbeiterInnen sind das sehr spannende Bereiche. Sie können bei uns miterleben, wie an einem Arzneimittel geforscht wird, wie es entwickelt und weiterentwickelt, wie es zugelassen und schließlich vertrieben wird.“ Gebro bildet keine Spezialisten aus, sondern Generalisten, die bereichsübergreifend handeln und in der Lage sind, über den Tellerrand hinaus zu blicken – und die sich mit der Firma, mit ihren Produkten identifizieren. So, wie sie es auch selbst tut: „Man sagt immer, als Personaler kann man überall, in jedem Unternehmen arbeiten. Aber das finde ich nicht. Ich muss den Betrieb kennen und mich mit ihm auseinandersetzen, um die richtigen MitarbeiterInnen, die richtigen Charaktere und Talente für die jeweilige Position zu finden.“
Gesetzgeber in der Pflicht
Aber welche Produkte stellt Gebro nun eigentlich her, was kennt man aus der Apotheke? Das Unternehmen agiert in den verschiedensten Sparten: Im Pharma Business, das verschreibungspflichtige Arzneimittel herstellt, wie zum Beispiel das bekannte Schmerzmittel Seractil. Dann ist da noch das Consumer Business, das sich um Produkte dreht, die nicht vom Arzt verschrieben werden müssen, aber ausschließlich in Apotheken abgegeben werden. Darunter fallen beispielsweise die (Prophylaxe-)Produkte, die unter der Marke „Alpinamed“ vertrieben werden. In den Bereich des „International Business“ fällt der Export.
Was die Personalleitung betrifft, sei die Zeit aus besagten Gründen herausfordernd, so Katharina Ullmann. Sie sieht aber auch den Gesetzgeber in der Pflicht. Der Arbeitgeber soll flexibel und entgegenkommend sein, für die ArbeitnehmerInnen verschwimmen Frei- und Arbeitszeit zunehmend – die gesetzlichen Rahmenbedingungen entwickeln sich jedoch nicht mit.
Die Gesetzgebung sieht derzeit beispielsweise die lückenlose Arbeitszeitaufzeichnung der MitarbeiterInnen vor. Dies steht im totalen Widerspruch zur sogenannten Vertrauensarbeitszeit, die von den ArbeitnehmerInnen gefordert werden.
Ullmann sieht den Arbeitgeber derzeit in einem Spannungsfeld zwischen dem großen Freiheitsbedürfnis der ArbeitgeberInnen und der Regulierungsflut der Regierung.
Fazit: Auch für die Gebro sind die Zeiten im HR-Bereich (Human Recources) herausfordernd. Doch das Familienunternehmen hat seinen Teams viel zu bieten. Unter anderem eine Personalleiterin, die sich Zeit und immer auch ein Herz nimmt für jeden Bewerber/für jede Bewerberin …
Doris Martinz