
Peter Wörgartner darüber, wie er sein Unternehmen durch die Krise schifft, von den größten Herausforderungen und positiven Signalen.
Wörgartner sucht Mitarbeiter: Metall-Facharbeiter, Lehrlinge, Maschinenbediener und -einsteller, Männer und/oder Frauen. Schon jetzt steht fest, dass im Herbst weitere MitarbeiterInnen eingestellt werden. Denn die Auftragslage bei Wörgartner ist gut. Langfristige Verträge sichern sogar Umsätze in den kommenden 15 Jahren. Die Krise scheint bei dem Unternehmen, das zirka 90 Mitarbeiter in Oberndorf und 25 weitere in Fieberbrunn beschäftigt, keine Rolle zu spielen. Oder?
Ganz so ist es nicht. Denn natürlich war auch Wörgartner im Frühjahr von der so unvermittelt eingetretenen Krise betroffen. „Wir haben jedoch schnell reagiert und konnten mit konsequent durchgeführten Maßnahmen im Haus die Zahl der an Covid 19 erkrankten Mitarbeiter sehr niedrig halten“, erklärt Peter Wörgartner. Natürlich sei auch er verunsichert gewesen, wie sich die Situation weiter entwickeln würde. Das Thema Kurzarbeit stand im Frühjahr zwar im Raum, war dann aber doch keine Option. Aus zwei Gründen: „Ich muss für mein Unternehmen entscheiden zwischen Flexibilität und Kostenoptimierung.
Wenn Aufträge kommen, und ich kann sie nicht annehmen, weil meine Mitarbeiter auf Kurzarbeit sind, dann ist das wirtschaftlich ein Desaster. Wenn auf Dauer 30 Prozent weniger Umsatz mit der gleichen Mannschaft gestemmt werden müssen, ist das wirtschaftlich auch problematisch.“ Wörgartner setzte auf kommende Aufträge – und sie trafen ein.
Der zweite Grund, der gegen Kurzarbeit sprach: Kaum ein Unternehmen in der Region bekam 2009 etwas von der Bankenkrise mit, Wörgartner allerdings war massiv betroffen – weitaus schlimmer als in dieser aktuellen Krise. Damals gab es kein Angebot seitens der zuständigen Stellen, der Oberndorfer musste um die Bewilligung der Kurzarbeit kämpfen. Eine Erfahrung, die den Unternehmer geprägt hat.
Die Stahlindustrie boomt
Dank der Vielschichtigkeit seiner Kunden und Märkte konnte Wörgartner bereits im Sommer 2020 wieder mit voller Kraft produzieren. Seit Dezember 2020 boomt nun auch die Stahlindustrie wieder, Preise und Lieferzeiten explodieren. Vor allem die Preise für Halbprodukte (nicht vollständig fertiggestellte Produkte, zum Beispiel Stahlbänder) steigen. „Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass es der Industrie im Gesamten gesehen ganz gut geht.“
Dass Wörgartners Firma heute gut da steht, ist kein Zufall: „Man darf in guten Zeiten nicht zu faul oder zu überheblich sein, sich um Aufträge zu bemühen, denn in schlechten ist es zu spät. Das haben wir immer gemacht, das hat uns immer geholfen.“ Wörgartner hat schon so manches Tief überwunden: „In etwa alle zehn Jahre gibt es eine größere oder kleinere Wirtschaftskrise, das ist seit der Firmengründung so. Wir haben Erfahrung im Umgang damit. Dass diesmal zur wirtschaftlichen auch eine gesundheitliche Krise kommt, verschärft die Situation allerdings.“
Dennoch: Das Unternehmen ist gut aufgestellt, so schnell hebt es nichts aus den Angeln. Deshalb konnten bis heute alle langjährigen Mitarbeiter mitgenommen werden, das Team wird sogar aufgestockt. „Unsere MitarbeiterInnen sind Fachkräfte mit speziellen Qualifikationen, die man nicht einfach ersetzen kann. Man baut sie sich über Jahre auf und will sie natürlich behalten. Dafür bildet man Rücklagen und schaut, dass man auch einmal schlechte Zeiten überbrücken kann.“
Welch hohen Stellenwert die MitarbeiterInnen bei Wörgartner einnehmen, beweist diese Vorgehensweise: Noch in der ersten Woche der Covid-19-Krise nahm Peter Wörgartner einen Kredit auf, um – falls wirtschaftlich etwas Unerwartetes passieren sollte – auf jeden Fall die Löhne auszahlen zu können. Mehr noch: Für den Fall, dass aufgrund von Erkrankungen oder Quarantäne das gesamte Lohnbüro ausgefallen wäre, wurden die Grundlöhne bereits angewiesen; die Bank hätte sie nur mehr auslösen müssen. „Die MitarbeiterInnen haben bei uns Priorität.“ Der Kredit wurde übrigens nicht angerührt.
Geld kommt, Geld geht …
2020 hat Wörgartner die höchste Summe an Lohngeldern in der Firmengeschichte ausgezahlt. Das Unternehmen ist Export orientiert, das heißt, das Geld für die Löhne kommt – wie beim Tourismus – aus der Ferne, erklärt Wörgartner und das hebe in der Region den Lebensstandard. „Dieses Geld muss ausgleichen, was bei Amazon ausgegeben wird für Ware, die aus China kommt“, sagt Wörgartner nicht unkritisch. Die Kommunalsteuer, die Wörgartner an die Gemeinde entrichtet, kommt der Allgemeinheit zugute – etwa durch Infrastruktureinrichtungen wie Kindergärten, Winterdienste und mehr.
Wörgartner ist der Ansicht, dass die Besteuerung auf Arbeit zu hoch ist: „Ich als Unternehmer würde mir wünschen, dass unsere Leute mehr herausbekommen, mehr in ihrem Lohnsackerl haben.
Wenn es eine Lohnsteuersenkung geben würde, sollte diese den Mitarbeitern zugute kommen.“ Es tue ihm weh, wenn von einer Gehaltserhöhung in der Höhe von 200,-Euro lediglich 100,- Euro für den Mitarbeiter übrig blieben. „Ich wünsche mir, dass ihm zumindest 150 bleiben, das täte uns allen gut.
Es wird massiv investiert
2020 wurde das Werk in Fieberbrunn erneut vergrößert, hier wird nun auf 8.000 m² produziert. Damit ist der Standort fast dreimal so groß wie das Mutterhaus, in dem man sich vor allem auf den Werkzeugbau konzentriert. In diesem Bereich wird massiv investiert. „Es gibt Förderungen, wie sie mir noch nie in meinem Unternehmerleben angeboten wurden“, sagt Peter Wörgartner. Diese gilt es jetzt natürlich zu nutzen, zum Beispiel mit dem Bau von Photovoltaik-Anlagen für beide Werke.
Auch, wenn es seiner Ansicht nach bei der Lohnsteuer und auch bei anderen Rahmenbedingungen noch Verbesserungspotential gibt, steht Wörgartner zu den beiden Standorten: „Wir sind hier daheim, wir arbeiten da und stehen zu unseren Mitarbeitern, zu unserer Heimat.“ Wem diese Einstellung gefällt, der/die sollte sich am besten gleich bewerben …
Doris Martinz
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