
Albert Wex über einen Bereich, in dem in Firmen viel falsch gemacht wird. Dabei wäre es eigentlich gar nicht so schwer …
Jede Unternehmerin, jeder Unternehmer kennt das: Es sind genug Aufträge im Haus, das Team ist ausgelastet, teilweise sogar etwas mehr als das. Plötzlich kündigt ein Teammitglied, es muss schnell Ersatz her. Schnell geht es in Zeiten wie diesen meist ohnehin nicht, mit Glück ist aber irgendwann eine neue Mitarbeiterin/ein neuer Mitarbeiter gefunden. Super, Problem gelöst! Der oder die Neue bekommt einen Schreibtisch oder seinen Arbeitsplatz zugewiesen, soll sich mal ansehen, wie der Job bisher erledigt wurde und darf dann bitte gleich produktiv werden. Die E-Mail-Adresse für das neue Teammitglied wird dann in den nächsten Tagen bei Gelegenheit eingerichtet, und Visitenkarten lässt man auch drucken – nach dem Probemonat. Fühlt sich ein neues Mitglied der Crew so willkommen?
„Wohl kaum“, sagt Albert Wex, selbständiger Personalberater bei „aristid“, einer österreichischen Personalberatungsfirma mit Sitz in Wien. „Viele Unternehmen pflegen keine Willkommenskultur und schaffen damit Probleme, die sich vermeiden lassen und dazu beitragen, dass man MitarbeiterInnen gleich wieder verliert.“ Denn wer gerade in den ersten Tagen und Wochen keine Unterstützung oder nur unzureichende Informationen bekomme, bei dem stelle sich der Spaß an der Arbeit nicht ein, so Wex. Das „Onboarding“, das Willkommenheißen neuer Crewmitgieder, will also gut geplant sein.
Eine Checkliste hilft
„Die Herausforderung besteht in den Unternehmen meist darin, dass man sich Zeit nehmen muss, wenn neue Leute kommen. Es gilt, ihn oder sie zu integrieren, und auch das bestehende Team vorzubereiten.“ Ein eigener Arbeitsplatz, E-Mail-Account und Visitenkarten sollten auf jeden Fall schon im Vorfeld eingerichtet beziehungsweise gedruckt werden, sodass der oder die Neue sofort die Arbeit aufnehmen kann. Er oder sie sollte beim Eintreffen auch bereits in interne Verteiler aufgenommen sein. „Am besten erarbeitet man sich eine Checkliste. Wenn ich weiß, dass nächste Woche jemand neu kommt, kann man sie abarbeiten, dann ist alles bereit“, so Wex. Die Checkliste könne auch mehr als das Übliche beinhalten: „Auf die neue Mitarbeiterin könnte eventuell ein Blumenstrauß warten, auf den neuen Mitarbeiter eine Flasche Cognac. Da fühlt man sich gleich willkommen!“
Es sei wichtig, jemanden aus dem bestehenden Team für das neue Mitglied abzustellen – einen „Buddy“ sozusagen. Jener sollte sich Zeit nehmen (dürfen) und als Vertrauensperson für den Neuen/die Neue da sein. Klar sei das mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden, aber: „Als Firma muss ich da durch. Wenn ich Zeit opfere, kommt das hundertfach zurück. Wenn nicht, kann es sein, dass der oder die Neue gleich wieder weg ist.“ Auch Events können dazu beitragen, neue MitarbeiterInnen ins Team zu integrieren. Es kann dabei um Firmeninternes gehen, um Besonderheiten im Haus wie die Brandschutzbestimmungen, aber auch um Privates oder um Rechtliches. Leider seien in diesem Bereich viele Arbeitgeber zu nachlässig, so Wex. Mit gutem Onboarding schaffe man die Basis für ein erfolgreiches und möglichst langfristiges Miteinander. Zeit und sonstige Aufwendungen, die man investiert, sind in einer guten Willkommenskultur bestens eingesetzt.
Doris Martinz