
Patrick Gratt und Susanne Wallner kümmern sich bei EGGER um die Lehrlinge. Über Welpenschutz, lernen fürs Leben und mehr.
31 Lehrlinge beschäftigt Egger aktuell und könnte damit selbst eine große Schulklasse füllen. Doch für die Schule haben sich die jungen Leute ja nicht entschieden, sondern – zum Glück – für eine praxisnahe Ausbildung im Zuge einer Lehre. In spätestens vier Jahren werden sie alle gefragte Fachkräfte sein: MetalltechnikerInnen, Elektro- oder HolztechnikerInnen, auch Bürokaufmänner oder -frauen und InformationstechnologInnen
sind dabei. Darüber, in welchem Betrieb sie mit ihren Fähigkeiten einmal unterkommen werden, müssen sie sich keine Gedanken machen. „Unsere Intention ist es, alle Lehrlinge nach der Ausbildung zu übernehmen, wenn es für beide Seiten passt,“ erklärt Susanne Wallner.
Die Ausbilder stehen den Lehrlingen zur Seite
Wallner ist seit 2013 in der Personalabteilung des Unternehmens beschäftigt. Die 34-jährige Jochbergerin koordiniert und betreut alle Themen rund um Praktikanten und Lehrlinge und arbeitet dabei eng mit dem Lehrlings-Vollzeitausbilder Patrick Gratt, 30, aus Itter zusammen. Die beiden harmonieren gut, das ist bei unserem Gespräch offensichtlich. Und auch, dass sie gerne machen, was sie tun. Gratt nickt. Eigentlich schaut er mit seinen 30 Jahren selber noch aus wie ein Lausbub, mit dem Piercing an der Braue und dem jungenhaften Lächeln. Kein Wunder, dass er mit dem Nachwuchs in der Firma gut klarkommt. Gratt ist erster Ansprechpartner für Fragen, die die praktische und schulische Ausbildung betreffen, aber auch für alles Persönliche. Er hält den Kontakt mit den Auszubildenden, wenn sie die Berufsschule besuchen oder Home-
schooling angesagt ist; er und seine Kollegin sprechen mit den Eltern, er organisiert Nachhilfe, wenn es beispielsweise in Mathematik hapert. Gratt weiß, was die jungen Leute bewegt und wo es mitunter hakt. Schließlich hat er selbst die Schlosserlehre absolviert und seinen Meister gemacht. Über die Jugendarbeit im Taekwondo-Verein Söll/St. Johann, dessen Mitglied er seit vielen Jahren ist, kam er auf den Gedanken, sich auch im Beruf mit jungen Leuten zu beschäftigen und heuerte bei Egger als Lehrlingsbeauftragter an. Bereut hat er es noch keine Sekunde. „Weil es einfach schön ist zu sehen, wie sich die jungen Leute entwickeln, nicht nur fachlich oder beruflich, sondern vor allem auch persönlich“, so Gratt mit einem vielsagenden Blick zu seiner Kollegin. Jene lächelt und nickt.
In der Lehrzeit 53.000 Euro verdient
Wer sich bei Egger für eine Lehre interessiert, kommt zuerst einmal als Praktikant zum „Schnuppern“. Das Zeugnis ist nicht so wichtig: „Vor allem kommt es uns auf das Interesse und die Motivation an. Alles andere kann man lernen“, so Gratt. Unabhängig davon, für welchen Beruf sie sich entscheiden, starten alle Lehrlinge gemeinsam am 1. August in die Ausbildung und durchlaufen zuerst im Team eine siebenwöchige Grundausbildung, die für alle gleich ist. Weil auch die Holz- und Metalltechniker über ein Basiswissen in der Elektronik verfügen sollen – und umgekehrt. „Welpenschutz“ nennt Gratt diese Phase, in der die Jugend sich kennenlernen und zu einem Team wachsen kann. Danach geht es weiter mit einem Rollierungsplan, der verschiedene Abteilungen und Teams umfasst. Zusätzlich absolvieren alle Lehrlinge Zusatzschulungen in Erster Hilfe und Brandschutz und machen den Gabelstapler-Führerschein. „Das sind Sachen, die man fürs Leben braucht“, schildert Gratt.
Nach Abschluss der Lehrzeit sind die Jugendlichen Fachkräfte mit vielen Chancen und Möglichkeiten im Unternehmen und haben in dreieinhalb Jahren bereits 53.000,– Euro verdient. Keine kleine Summe für so junge Leute. „Wer eine Lehre macht, steht schon früher im Leben, kann sich Wünsche erfüllen und vielleicht sogar ein Auto leisten. Die Unabhängigkeit gefällt den Jungen schon sehr“, weiß Gratt. Und doch ist es auch bei Egger nicht immer leicht, geeignete Bewerber zu finden.
Die Zeiten haben sich geändert
„Wir stellen fest, dass die Anzahl der Bewerbungen seit einiger Zeit rückläufig ist“, sagt Wallner. Dabei sei das Interesse am Unternehmen, an den unterschiedlichen Abteilungen und Maschinen bei Betriebsbesichtigungen für Schulen doch immer recht groß – gerade bei den jungen Leuten. Vielleicht sind es die Eltern, die ihren Nachwuchs bremsen und lieber in weiterführenden Schulen unterbringen möchten, mutmaßt Wallner. „Damit verpassen sie eine gute Chance, den passenden Beruf zu finden.“ Denn längst nicht alle sind für einen Bürojob geeignet. „Wir erleben täglich, wie gerne Jugendliche mit ihren Händen arbeiten, etwas bauen und konstruieren. Die Gesellschaft muss endlich lernen, diese Talente also ebenso wichtig zu erachten wie jene der Kopfarbeiter. Denn wir brauchen beides, und beides muss uns gleich viel wert sein!“, so Wallner leidenschaftlich.
Aufstieg und Auslandsaufenthalte
Bei Egger können sich junge Leute beispielsweise nach abgeschlossener Lehre mittefristig sehr gut weiterentwickeln, sei es als Fach- oder Führungskraft. Durch das internationale Wachstum des Unternehmens entsendet Egger immer häufiger junge Fachkräfte ins Ausland – eine tolle Entwicklungsmöglichkeit.
Interessiert?
Infos zur Lehre bei Egger auf www.egger.com/lehre
Doris Martinz